Website erstellen: Was die Kosten bestimmt
03.10.2026·6 Min. Lesezeit

Bild KI-generiert
Wer eine Website erstellen lassen will, kann die Kosten nicht seriös aus der Zahl der Unterseiten ableiten. Entscheidend sind die Informationsarchitektur, die Zahl unterschiedlicher Templates, der Zustand von Texten und Medien, zusätzliche Funktionen sowie die technische und redaktionelle Betreuung nach dem Go-Live.
Eine Unternehmenswebsite mit vielen gleich aufgebauten Leistungsseiten kann deutlich weniger Entwicklungsaufwand verursachen als ein kleinerer Auftritt mit mehreren individuellen Templates, eigener Buchungslogik und Content, der erst neu erstellt werden muss. Bei professionellem Webdesign beginnt die Arbeit deshalb vor dem ersten Layout mit Struktur, Nutzerführung und Inhalt.
Templates statt Seitenzahl bestimmen den Aufwand
Zwanzig Unterseiten bedeuten selten zwanzig individuelle Layouts. Werden Leistungen nach demselben Schema dargestellt, entsteht ein technisches Template, das anschließend mit unterschiedlichen Inhalten befüllt wird. Zusätzlicher Aufwand entsteht dort, wo Seiten eine eigene Struktur, spezielle Datenfelder oder individuelle Interaktionen brauchen.
Typische Templates einer Firmenwebsite sind etwa:
- Startseite: modularer Einstieg in Leistungen und Inhalte
- Leistungs-Template: wiederverwendbarer Aufbau für mehrere Angebote
- Unternehmen / Team: Profile, Standorte und Unternehmensinformationen
- Kontakt: Formular, Kontaktdaten und gegebenenfalls weitere Eingabefelder
- Content-Template: Fachartikel, News oder andere redaktionelle Beiträge
Das UI-Design folgt dieser Struktur.
| Kriterium | Was den Aufwand erhöht | Was den Aufwand reduziert |
|---|---|---|
| Templates | Viele individuelle Seitentypen und Sonderlayouts | Wiederverwendbare Templates |
| Content | Texte, Bilder und Struktur müssen neu entstehen | Freigegebener, strukturierter Content liegt vor |
| Mehrsprachigkeit | Eigene Inhalte und Abstimmungen je Sprache | Einsprachiger Auftritt |
| Funktionen | Schnittstellen, Logins oder Buchungslogik | Informationsseiten und Standardformulare |
| Relaunch | Neue URL-Struktur, Altlasten, Migration | Dokumentierter Bestand und klare Zuordnung |
| Pflege | Laufende Änderungen über einen Dienstleister | Content-Pflege im eigenen CMS |
Die Zahl der Unterseiten ist nur ein grober Anhaltspunkt. Für die Kalkulation zählt, wie viele unterschiedliche Strukturen tatsächlich gebaut und wie viele Inhalte neu erstellt werden müssen.
Content-Produktion verschiebt einen großen Teil des Budgets
Texte, Bildmaterial und Markenelemente bestimmen den Projektumfang erheblich. Liegen Logo-Dateien, freigegebene Texte und hochauflösende Medien geordnet vor, kann die Umsetzung direkt auf dieser Basis beginnen. Fehlen diese Grundlagen, fließt Arbeit in Konzeption, Redaktion, Bildauswahl oder Medienproduktion.
Webtexte müssen außerdem für die Nutzung im Web aufgebaut sein. Sie beantworten konkrete Fragen, führen durch Themen und liefern Suchmaschinen sowie KI-Suchsystemen maschinenlesbaren Kontext. Semantische HTML-Strukturen, eindeutige Überschriften und strukturierte Daten wie Schema.org werden beim Aufbau im Quellcode berücksichtigt.
| Beistellung durch den Auftraggeber | Auswirkung auf das Projekt | Worauf es ankommt |
|---|---|---|
| Texte | Weniger redaktioneller Aufwand | Freigegeben und für die neue Struktur geschrieben |
| Bildmaterial | Fotografie oder zusätzliche Bildbeschaffung kann entfallen | Hohe Auflösung und geklärte Nutzungsrechte |
| Corporate Identity | Layout kann auf vorhandenen Vorgaben aufbauen | Logo als Vektordatei, Farben und Typografie definiert |
| Übersetzungen | Weniger externer Redaktionsaufwand | Fachlich geprüfte Sprachfassungen |
| CMS-Pflege | Laufende Content-Änderungen können intern erfolgen | Zuständigkeit und Zugänge sind geklärt |
Zusätzliche Logik macht aus der Website eine Anwendung
Ein Kontaktformular gehört zum normalen Umfang vieler Websites. Terminbuchungen mit eigener Logik, geschützte Nutzerbereiche oder direkte Schnittstellen zu ERP- und CRM-Systemen verändern das Projekt deutlich. Hinter der Oberfläche entstehen dann Zustände, Regeln, Datenflüsse und Berechtigungen, die entwickelt und getestet werden müssen.
| Funktion | Technische Komponente | Einordnung |
|---|---|---|
| Kontaktformular | Validierung, Mail-Versand, Spam-Schutz | Standard-Website-Funktion |
| Terminbuchung | Kalender-API, Verfügbarkeiten, Regeln | Je nach Umfang zusätzliche Anwendungslogik |
| Kundenportal / Login | Nutzerkonten, Rechteverwaltung, geschützte Daten | Anwendungsentwicklung |
| E-Commerce / Checkout | Warenkorb, Payment, Vertragsabschluss | Web-Anwendung mit Zahlungslogik |
| ERP-/CRM-Anbindung | API, Webhooks, Datenmodell-Mapping | Individuelle Systemintegration |
Sobald solche Funktionen einen wesentlichen Teil des Projekts ausmachen, gelten die Kostentreiber der App-Entwicklung: Rollen, Schnittstellen, Datenmodelle und Betriebslogik werden wichtiger als die reine Seitenstruktur.
Beim Relaunch kommen Migration und Redirects dazu
Bei einem Relaunch muss der bestehende Auftritt zuerst technisch und redaktionell erfasst werden. Relevante Inhalte werden übernommen oder neu geordnet, bestehende URLs dokumentiert und geänderte Adressen auf passende neue Ziele weitergeleitet. Eine Relaunch-Analyse schafft dafür die Grundlage, bevor Layout und Umsetzung beginnen.
Google beschreibt in der Dokumentation „Website mit URL-Änderungen verschieben“, zuletzt aktualisiert am 9. September 2026, dass 301- und andere permanente Weiterleitungen keine negativen Auswirkungen auf den PageRank haben. Dafür müssen alte URLs korrekt auf die jeweils passenden neuen Adressen gemappt werden.
Zum Relaunch gehört außerdem die Prüfung der Barrierefreiheit. Kontraste, Tastaturbedienung und Beschriftungen werden nach WCAG 2.2 bewertet. Für bestimmte Angebote gelten zusätzlich gesetzliche Anforderungen: Das österreichische Barrierefreiheitsgesetz erfasst unter anderem Dienstleistungen im elektronischen Geschäftsverkehr, wenn über die Website Verbraucherverträge geschlossen werden. Kleinstunternehmen, die Dienstleistungen erbringen, sind nach § 6 Abs. 1 ausgenommen. Ob ein konkreter Betrieb darunter fällt, ist eine rechtliche Frage.
Angebote brauchen klar definierte Leistungsgrenzen
Zwei Angebote mit derselben Anzahl an Seiten können einen völlig unterschiedlichen Leistungsumfang abdecken. Bei einem Projekt liegen Texte, Bilder und Übersetzungen fertig vor, beim anderen werden diese Leistungen erst im Projekt erstellt. Auch CMS-Einrichtung, Bildoptimierung, Redirect-Mapping beim Relaunch und technische Betreuung nach dem Go-Live können unterschiedlich abgegrenzt sein.
Vor dem Preisvergleich sollte deshalb klar sein, welche Leistungen der Auftraggeber beistellt und welche der Dienstleister übernimmt.
Checkliste vor der Angebotseinholung
- Templates erfassen: Unterschiedliche Seitentypen auflisten, nicht jede Unterseite einzeln zählen.
- Content klären: Festhalten, welche Texte, Fotos und Grafiken fertig vorliegen und was neu erstellt werden muss.
- Sprachen definieren: Bestimmen, welche Sprachfassungen zum Go-Live benötigt werden.
- Funktionen auflisten: Alles erfassen, was über Inhaltsseiten und Standardformulare hinausgeht.
- Relaunch vorbereiten: Relevante Alt-URLs, etwa aus der Google Search Console, dokumentieren.
- Betrieb festlegen: Klären, wer Content im CMS pflegt und wer Hosting, Updates und Backups verantwortet.
- Barrierefreiheit prüfen: Bei Online-Verkäufen oder Buchungen klären, ob gesetzliche Vorgaben relevant sind.
Welche konkreten Leistungen sind im Angebot enthalten, und welche Inhalte oder Vorarbeiten müssen wir in welchem Format liefern?
Eine belastbare Antwort ordnet Konzeption, Design, Content, technische Umsetzung und Relaunch-Aufgaben eindeutig zu. Eine Pauschale pro Unterseite lässt diese Unterschiede offen.
Für den laufenden Betrieb und die Pflege der Website sollte ebenfalls feststehen, wer Content ändert und wer technische Updates, Hosting und Backups übernimmt.
Häufige Fragen
Warum ist die Seitenzahl kein verlässliches Preiskriterium?
Mehrere Unterseiten können dasselbe Template verwenden und unterscheiden sich dann hauptsächlich im Content. Deutlich mehr Entwicklungsaufwand entsteht durch zusätzliche Templates, individuelle Funktionen und neu zu erstellende Inhalte.
Welche Eigenleistungen reduzieren den Projektumfang?
Freigegebene Texte, geeignetes Bildmaterial, vorhandene Markenelemente und fertige Übersetzungen reduzieren Leistungen, die sonst im Projekt erbracht werden müssen. Entscheidend ist, dass das Material für die neue Website tatsächlich verwendbar ist.
Was kommt bei einem Relaunch zusätzlich dazu?
Bestehende Inhalte und URLs müssen analysiert, übernommen oder neu zugeordnet werden. Ändert sich die URL-Struktur, gehören permanente Redirects und eine saubere Zuordnung der alten auf die neuen Adressen zum Relaunch.
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